Gründerinnenportraits

Helen Prüfer, Against the Grain | EU

  • Gründungsjahr: 2024 (in den USA) | Europa in Gründung
  • Branche: Bildung & Handwerk

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Helen Prüfer (they/them), nonbinär und arbeite und unterrichte im Timber Framing – also im traditionellem Holzbau mit großen Holzquerschnitten und klassischen Holzverbindungen. Gemeinsam mit Jenna Pollard habe ich 2024 Against the Grain in den USA gestartet. Wir geben praktische Timber Framing Kurse mit einem besonderen Fokus auf FLINTA-Personen und bauen dabei gemeinsam reale Bauwerke. Neben dem Handwerk geht es uns vor allem darum, Community zu schaffen: Lernräume, in denen Menschen praktische Fähigkeiten entwickeln, Sicherheit im Umgang mit Werkzeugen gewinnen, sich gegenseitig unterstützen und Zugehörigkeit erleben. Von Berlin aus arbeite ich gerade daran, dieses Konzept nach Europa zu bringen.

Was hast du vor deiner Selbständigkeit gemacht und welche Erfahrungen daraus helfen dir heute?

Mein beruflicher Hintergrund liegt im Umweltingenieurwesen und in der Arboristik. Ich habe zunächst gutachterlich gearbeitet und später Projekte, Teams und einen Berliner Standort geleitet. Seit 2023 arbeite ich außerdem in den USA im Timber Framing und sammle dort praktische Erfahrung im traditionellen Holzbau. Diese Mischung aus technischem Verständnis, praktischer Arbeit und Leitungserfahrung hilft mir heute, Kurse und Bauprojekte zu organisieren, Partnerschaften aufzubauen und Against the Grain in Europa weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig kenne ich männerdominierte Arbeitsfelder aus eigener Erfahrung und weiß deshalb, warum andere Lern- und Arbeitsräume so wichtig sein können.

Gab es einen bestimmten Moment oder eine Entwicklung, die den Ausschlag für deine Gründung gegeben hat?

Es war weniger ein einzelner Moment als die Erfahrung, wie unterschiedlich Lernen in männerdominierten und in FLINTA-Räumen sein kann. Besonders im Kopf geblieben ist mir eine Person aus einem unserer US-Kurse, die überzeugt war, nicht handwerklich begabt zu sein. Im Kurs konnte sie sich in ihrem eigenen Tempo herantasten, ausprobieren und merken: Ich kann das. Danach machte sie zuhause viel mehr selbst und besuchte sogar weitere Kurse außerhalb von FLINTA-Räumen – mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein. Zu sehen, was so ein Lernraum über den Kurs hinaus bewirken kann, ist für mich ein wichtiger Antrieb für Against the Grain.

Was begeistert dich an deiner Arbeit besonders?

Mich begeistert besonders zu sehen, was gemeinsames handwerkliches Arbeiten in einem FLINTA-Raum auslösen kann. Es wächst nicht nur praktisches Können, sondern auch Selbstvertrauen. Teilnehmende bleiben nach den Kursen in Kontakt, unterstützen sich weiter, Freundschaften entstehen und manche denken danach sogar über einen beruflichen Weg ins Handwerk nach. Das berührt mich auch
persönlich, weil solche Räume mir selbst gezeigt haben, dass ich Teil davon sein und sie mitgestalten möchte.

Was weißt du heute über die Selbständigkeit, das du gerne schon zu Beginn gewusst hättest?

Ich bin selbst noch in der Vorgründungsphase, aber eine Sache habe ich scho gelernt: wie wertvoll der Austausch mit anderen Gründer*innen ist. Viele Fragen werden leichter, wenn man sie nicht allein lösen muss. Ich hätte gerne früher begonnen, mir gezielt ein Netzwerk aufzubauen, Erfahrungen zu teilen und Rat anzunehmen. Gerade jetzt merke ich, dass nicht nur die eigene Idee zählt, sondern
auch Menschen, die Wissen teilen, Türen öffnen und helfen, die nächsten Schritte realistisch einzuschätzen.

Was wünschst du dir für die Zukunft von Unternehmerinnen und Selbständigen?

Ich wünsche mir Rahmenbedingungen, die es nicht nur leichter machen zu gründen, sondern auch langfristig selbstständig zu bleiben. Gerade in meiner eigenen Vorgründungsphase merke ich, wie viele bürokratische und strukturelle Fragen dabei eine Rolle spielen.
Gleichzeitig glaube ich, dass wir als Gründer*innen und Selbstständige selbst gefragt sind: Wir müssen sichtbar machen, wo Hürden liegen, uns vernetzen und bessere Bedingungen gemeinsam einfordern. Dazu gehört für mich auch, von der Politik bessere Rahmenbedingungen einzufordern und unsere Erfahrungen und Perspektiven aktiv in die Debatte einzubringen.

Mich begeistert besonders zu sehen, was gemeinsames handwerkliches Arbeiten in einem FLINTA-Raum auslösen kann.

Helen Prüfer

Against the Grain | EU
Webseite: atgtimberframing.com
E-Mail: info@atgtimberframing.com

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