Unternehmerin Nicole Rittstieg, eine weiße Frau Mitte Vierzig mit kurzen, mittelblonden Haaren steht mit T-Shirt bekleidet in der Tür ihres Antiquariats. Im Fenster hängt ein Schild mit der Aufschrift Bücher Ankauf und ein Plakat mit Frank Zappa auf Klo sitzend.

Nicole Rittstieg

betreibt zusammen mit ihrem Geschäftspartner Tom Niemann das Antiquariat Mackensen & Niemann im Wedding. Viele Verkäufe laufen über das Internet, aber der Laden ist neben dem Verkauf auch eine wichtige Quelle für Nachschub.

Wie betrifft Sie die momentane Lage?

Beruflich trifft mich die aktuelle Lage gerade nicht sehr stark, da ich als antiquarische Buchhändlerin mein Geschäft auch weiterhin öffnen darf. Und zum Glück ist der Bedarf an Büchern weiterhin vorhanden. Auch wenn zuerst die Online-Bestellungen eingebrochen sind, was mich überrascht hat, scheinen sich sowohl die Kund*innen als auch wir im Antiquariat langsam auf die veränderten Bedingungen eingestellt zu haben. Es gibt im Laden inzwischen wieder so etwas wie Normalität und Alltag unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen. Zu diesen zählt auch, dass ich meinen Geschäftspartner momentan nicht mehr persönlich treffe, so dass wir uns nicht gegenseitig anstecken können bzw. wir uns hoffentlich nicht gleichzeitig in Quarantäne wiederfinden.

Privat ist die Situation für mich einschneidender, da meine Partnerin zu einer der zahlreichen Risikogruppen gehört. Ich habe also die meisten Kontakte von persönlich auf telefonisch umgestellt, was mir sehr schwerfällt. Ich gehe fast nur noch in den kleinen Läden im Kiez einkaufen, was ich zum einen für richtig halte, wenn ich auch zukünftig mein Umfeld wie gewohnt vorfinden möchte, und zum anderen aber auch als eine Maßnahme zur Kontaktverringerung verstehe. Außerdem scheinen vor allem in kleinen Bioläden Hamsterkäufe nicht die Regel zu sein, so dass ich dort meinen Bedarf an Lebensmitteln problemloser regeln kann als in Supermärkten.

Welche Schwierigkeiten haben Sie zu bewältigen?

Mich nicht verrückt zu machen, empfinde ich manchmal als schwierig. Mir meine Lebensqualität auch unter den aktuellen Regulierungen zu bewahren, ist auch nicht immer selbstverständlich. Aber Kuchen zu backen, meine Kontakte zu pflegen und mir Informationen zu besorgen, hilft mir, die Situation wieder einzuordnen.

Welche Unterstützung haben Sie (geschäftlich wie privat)? Haben Sie spezielle Angebote in Anspruch genommen?

Geschäftlich haben wir bisher keine (staatlichen) Hilfen in Anspruch genommen. Klar habe ich mich gefragt, ob wir dies sollten oder müssten. Letztlich sind unsere Umsatzzahlen zwar gesunken, aber sie sind stabil und wir können es auf diesem Niveau eine Weile aushalten. Ich habe also die Hilfsangebote im Blick, aber das Ziel ist eindeutig, so lange wie möglich autonom zu bleiben. Genau dieser Ansatz hat mich damals quasi in die Selbständigkeit geführt und hält offensichtlich bis heute an …

Privat haben sich viele Freund*innen bei mir/uns gemeldet und gefragt, ob wir Unterstützung brauchen. Zu spüren, dass das Umfeld so gut aufgestellt ist, hat mich sehr gefreut. Und so entsteht so langsam ein Tauschring. Ich bringe einer Freundin_ das Lakritz aus Kreuzberg in den Wedding, dafür bekomme ich Kaffee und leckere Schokolade von anderen Freundinnen in den Laden gebracht. Das Angebot geht von Mundschutz über Konsumgüter bis hin zu finanziellen Hilfszusagen. Das beruhigt die Nerven.

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